Setzt euch an unser Feuer, trocknet euren nassen Mantel und wärmt euch an einem heißen Met. Ihr seht aus, als wäret ihr weit gereist und habt bestimmt Spannendes aus der Welt zu berichten...
Das Strafgericht ist eine raidorientierte Gilde des Spiels "World of Warcraft", beheimatet auf dem Realm Rexxar. Wir begrüßen alle Besucher recht herzlich auf unserer Homepage.
Wenn ihr euch über unsere Gilde informieren möchtet, so könnt ihr dies im Arsenal oder über dieses Gildenvideo tun. Unsere bisherigen Raiderfolge sind unter diesem Beitrag einzeln aufgeführt, immer begleitet von einem kleinen unterhaltsamen Text. Der Raidfortschritt kann auch im serverweiten Vergleich betrachten werden.
Bewerbern und Interessenten unserer Gilde sei das Bewerbungsforum ans Herz gelegt. Hier erfahrt ihr alles Wissenswerte über uns, welche Regeln es gibt und in welchem Rahmen unsere Schlachtzüge statt finden, also alles, was für die Bewerbung relevant ist. Dort ist auch eine Bewerbungsvorlage zu finden, die euch die Arbeit bei einer Bewerbung erleichtert. Wenn ihr euch über unser Konzept bzw. unser Regelsystem informieren möchtet, so findet ihr alle notwendigen Informationen in der Navigationsleiste unter dem Menüpunkt Regeln. Die Ansprechpartner können unter dem Menüpunkt Schlachtzüge nachgeschlagen werden.
Viel Spass beim Stöbern!
Geschrieben von Sasunestra am Dienstag, 16. Januar 2007 - 17:47:18
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Ulduar
umpf dröhnten Schläge emsiger Spitzhacken durch das weitverzweigte Stollensystem der Zwergenbinge, das einen Ortsunkundigen gewiss zum Verhängnis werden würde. Doch sicherlich nicht dem kleinen Trupp Zwerge, der hier sein Tagwerk vollbrachte. Erst kürzlich wurde eine besonders vielversprechende Erzader entdeckt, die nun in drei Schichten kontinuierlich abgebaut wurde. In dem engen Stollen standen drei kräftige Zwerge direkt an der Felswand und trieben diesen mit mächtigen Schlägen Stück um Stück weiter in den harten Felsen. Zwei Ölfunzeln erhellten dabei die Szenerie und warfen flackernde Schemen an die umliegenden Wände. Dahinter sammelten fleißige Hände immer wieder die Brocken zusammen und luden diese auf kleine Karren auf, die wiederum von anderen Zwergen zur großen Esse in der Mitte der unterirdischen Zwergenstadt gekarrt wurden. Kurz vor Schichtwechsel bemerkte der mittlere der drei Zwerge, wie sich der Klang der Spitzhacke leicht änderte. Der Klang wurde tiefer und verriet, dass der Stollen bald in einen Hohlraum enden würde. Einer der hinteren Zwerge, der aufmerksam gelauscht hatte, griff sofort zu einem Tuch auf einem Gebilde, und entfernte es. Darunter war ein Vogelkäfig, dessen kleiner gelber Bewohner durch die plötzlich wechselnden Lichtverhältnisse zu einem Zwitscherkonzert animiert wurde. Der Zwerg hob den Käfig an und hielt ihn bereit, dass er diesen an den Vordermann übergeben könnte, sobald der Hohlraum angeschlagen wurde. Plötzlich hob der Vorderste Zwerg eine Augenbraue und hielt in der Bewegung inne. Das letzte Stück Fels, das er aus dem Berg geschlagen hatte, offenbarte eine dahinterliegende geziegelte Mauer. Er wusste genau, dass es hier keine verzeichneten Räume geben konnte, seine Vorfahren und deren Vorfahren hätten dies gewusst und verzeichnet. In gleichem Maße der Verwunderung über die jüngste Entdeckung wuchs allerdings auch die Neugier, welch geheimnisvolle Kammern hier nun auf den Entdecker warten würden. Mit unverhohlener Begeisterung umfasste er den Griff seiner Hacke fester und trieb die Hacke noch härter und schneller in das Gestein als zuvor, um den geheimnisvollen Raum möglichst schnell erkunden zu dürfen. So angepeitscht dauerte es nicht mehr allzu lange, bis ein faustgroßes Loch in die Ziegelwand geschlagen war. Von hinten wurde der Vogel in seinem Käfig angereicht und sogleich an den neu entstandenen Durchlass gehalten. Kurz hielten die Anwesenden den Atem inne, bis der Vogel auch nach einiger Zeit sein fröhliches Gezwitscher nicht einstellte und den Anwesenden so mitteilte, dass auch in dem Hohlraum genügend Luft zum Atmen vorhanden war. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis der Durchgang groß genug war, dass ein Zwerg hindurchschlüpfen konnte. Die Ehre, den Hohlraum als Erster in Augenschein nehmen zu dürfen, gebührte freilich dem Ältesten der Anwesenden. Dieser wiederum wies den Jüngsten unter ihnen an, in der Stadt von der Entdeckung zu erzählen und scheuchte ihn sogleich los, damit er nicht noch mehr Zeit mit offen stehendem Mund vertrödelte. Der Betagte nahm sich eine der Öllampen und trat in das Dunkel der Kammer. Es war bemerkenswert kalt in der Höhle und ein modriger Geruch wie von Schimmel stieg in seine Nase. Er stellte fest, dass er mit dem Licht der Laterne nicht die Decke der Kaverne erhellen konnte. Auch in die Tiefe konnte er keine abschließenden Wände ausmachen. Wie konnte ein Raum dieser Größe den weisen Vorvätern nur unbekannt geblieben sein, zumal ein Großteil der Wände mit Ziegeln ausgekleidet war? Demnach handelte es sich nicht um eine natürliche, sondern um eine behauene Höhle. Nun galt es diese zu erkunden. Nach und nach traten die anderen Zwerge auch herein und musterten die bearbeiteten Wände, um Mutmaßungen über deren Entstehung zu äußern. Einer der Zwerge hatte eine Blendlaterne entzündet, mit der ein gerichteter Lichtstrahl deutlich tieferen Einblick in das Dunkel versprach. Doch auch diese konnte weder Decke noch gegenüberliegende Wände erleuchten. Stattdessen reflektierten einige unbekannte Objekte in der Ferne ein paar der Lichtstrahlen. Neugierig traten die Zwerge näher darauf zu und konnten schließlich eine Statue immenser Größe ausmachen, die frei in der Kaverne stand und eine verzerrte humanoide Gestalt darstellte, die eine schmerzerfüllte Fratze aufwies und schützend die Arme vor sich verschränkt hielt. Umgeben war diese zum Entsetzen der Anwesenden von verfallenen Leichen längst vergangener Zeiten, von denen nur noch die Knochen und schmiedeeiserne Rüstungsteile die Jahre überdauert hatten. Bei näherer Betrachtung stellte man fest, dass die Toten in voller Rüstung und Bewaffnung gestorben waren, und dass es sich zweifelsohne um Zwerge handeln musste. Einer der Umstehenden begutachtete eine Axt, die er vom Boden aufgehoben hatte und wog diese prüfend in der Hand. Er nickte anerkennend über diese ehemals wirkungsvolle Waffe. Nun konnte man diese nicht mehr benutzen, der hölzerne Stiel würde den ersten Schlag nicht mehr überstehen. Einer der Anwesenden begann, die groteske Statue in Augenschein zu nehmen. Das verwendete Material konnte er trotz profunder Kenntnisse in allen hiesigen Gesteinsarten nicht einordnen. Ein kleiner Brocken Fels polterte in diesem Moment auf den Helm eines Toten am Boden, um von dort aus scheppernd über weitere Rüstungsteile zu poltern. Angstvoll blickten einige nach oben, ob die Kaverne im Begriff war einzustürzen und die Entdeckung wieder unter sich begraben würde. Das vermeintliche Bruchstück der Höhlendecke blieb vor dem Fuß des Ältesten liegen. Dieser bemerkte, dass es sich um ein Stück des dämonischen Bildnisses handelt. Er blickte nach oben um den Ursprung auszumachen und stellte mit Schrecken fest, dass an der Stelle des Bruchstückes eine Schwade schwarzen Rauches aus der Skulptur trat. In sekundenschnelle breitete sich der Riss weiter über die Statue aus und sprengte weitere Bruchstücke des seltsamen Gesteins ab, an deren Stelle sich ähnliche Rauchfahnen bildeten. Vor Schreck ließ einer der jüngeren seine Laterne fallen, die auf dem Boden zerbarst und eine Pfütze brennenden Öles hinterließ. Kurz darauf brachen weitere große Stücke aus der Skulptur und gaben eine lebendige Masse aus Rauch frei, die nach den Anwesenden zu greifen versuchte, jedoch noch in den letzten Resten der Statue festgehalten wurde. So laut er konnte, schrie der Älteste, dass alle nun ihr Heil in der Flucht suchen müssen. Als die ersten losrannten, bemerkte der Älteste, dass sich einer nicht von dem entsetzlichen Anblick lösen konnte und griff beherzt zu seiner Spitzhacke, um den umherpeitschenden Tentakeln aus Rauch entgegenzutreten. Er lief herüber und schlug wie wild um sich, erreichte den immer noch starren Zwerg und schlug ihm mit dem Handrücken ins Gesicht, um ihn wieder zur Besinnung zu bringen. Dieser rappelte sich auf, verdutzt, als wüsste er nicht wo er war und sah zu, wie der Oberkörper seines Mentors nach vorne überfiel, während sein Unterleib kurz stehen blieb und dann in sich zusammenfiel. Eine der Rauchtentakel hatte den Körper mühelos in der Mitte durchtrennt. Tränen schossen ihm in die Augen, doch wusste er, dass er nun nichts mehr für seinen Lehrmeister tun konnte und rannte los. Geistesgegenwärtig begannen die ersten Zwerge, die durch den Durchgang in den über die letzten Tage und Wochen erst getriebenen Stollen gelangten, die hölzernen Stützbalken mit den Spitzhacken zu durchschlagen. Weitere Zwerge, die den Stollen erreichten, begriffen, dass in diesem Unterfangen die einzige Hoffnung auf das Überleben der Sippe lag. Sie konnten beobachten, wie ihr alter Lehrherr im Schein der brennenden Pfütze leblos zusammensackte, und wie einer der jüngeren daraufhin panisch in ihre Richtung losrannte. Hinter ihm brach die Statue nun vollends auseinander und gab eine Kreatur frei, die keine Form zu besitzen schien: Wie lebendiger Rauch mutete das Wesen an, das nun einzelne Tentakel bildete und dem Flüchtenden hinterher warf. Einige verfehlten ihr Ziel und verpufften in dem Moment, in dem sie auf den steinernen Boden trafen. Doch einer der Fäden durchdrang den linken Oberschenkel des Zwerges und durchtrennte diesen. Unter grauenerregendem Geschrei stürzte der Getroffene zu Boden und zog sich verzweifelt mit den Armen weiter in Richtung des Durchschlupfes. Wie von Sinnen versuchter er Halt zu finden, merkte nicht einmal mehr, wie sich einer seiner Fingernägel in einer Fuge im Boden verkantete und abriss. Hinter ihm bäumte sich die Gestalt über dem Feuer auf und ließ sich darauf fallen, woraufhin die Flammen augenblicklich erstarben. Nachdem das Wesen die Flammen geschluckt hatte, erkannte man zwei glühende Punkte, wie von Feuer, die wie dämonische Augen anmuteten. Damit blickte es nun auf die Zwerge, die versuchten, die Stützbalken zum Einsturz zu bringen. Wie rasend schlugen diese auf das massive Holz ein. Das Wesen indes machte sich über den Körper des Ältesten her, löste das Fleisch von den Knochen und labte sich an dem Grauen der Umstehenden. Wenige Augenblicke später waren nur noch die Knochen im schummerigen Licht der brennenden Dämonenaugen zu erkennen. Währenddessen hatte der erste der Zwerge einen Stützbalken durchschlagen und gebot seinen Mitstreitern zur Eile. Das Wesen hatte indes den schwer Verwundeten erreicht und begann ihm bei lebendigem Leibe ebenfalls das Fleisch von den Knochen zu schälen. Von dem grässlichen Geschrei des Sippenmitgliedes beflügelt, durchschlug der letzte der Zwerge den Stützbalken. Als nun alle Anwesenden auf die umliegenden Stollenwände einschlugen, zollte das Rumoren des Gesteins davon, dass dieser Stollen nicht mehr lange Stand halten würde. Der Älteste der verbleibenden Zwerge befahl dem Jüngsten nun, in der Stadt von den Geschehnissen zu berichten. Dieser wusste, dass er seine Freunde zum letzten Male sah und nickte anerkennend in die Runde, drehte sich um und lief so schnell er konnte. Hinter sich hörte er kurze Zeit darauf, wie ein mächtiger Einsturz den gesamten Berg erschütterte und seine Freunde unter sich begrub. Sie hatten ihr Leben für die Sippe geopfert.
Geschrieben von Camassea am Mittwoch, 01. April 2009 - 01:00:00
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Das Auge der Ewigkeit
ie Alte wachte aus ihrem Dämmerschlaf auf, als es plötzlich dunkel in der kleinen knarrenden Kate wurde, obwohl es lichter Tag sein müsste. Die Knochen hatten ihr bereits verraten, dass etwas Einschneidendes auf die Küstenregion der südlichen Halbinsel zukommen wird. Aber leider nicht, was es sein wird. Nun, die Alte war gewarnt. Zwecklos wäre es gewesen, die unheilvolle Kunde im Dorf zu verbreiten. Als arme Irre hätte man sie beschimpft oder vielleicht gleich auf den Scheiterhaufen werfen lassen. "Soll das ungläubige Pack nur sehen was es davon hat." dachte sie sich. Ächzend erhob sie sich und schlurfte zur Fensterluke herüber, bemüht, die letzten Überreste der Müdigkeit abzuschütteln. Ein muffiger alter Stofffetzen sollte die Kälte draußen halten; Geld für eine Fensterscheibe aus kostbarem Glas hatte sie selbstverständlich nicht. Als sie an das Fenster herantrat und nach oben blickte, zuckten Blitze über den rabenschwarzen Himmel und ließen ahnen, was die Knochen ihr mitteilen wollten. Just in diesem Augenblick konnte die Alte sehen, wie sich ein Loch in den Wolken auftat und begann einem knorrigen Auswuchs zum Erdboden auszustrecken. Der Wind nahm merklich zu und wirbelte Laub und kleineren Unrat umher. Innerhalb weniger Herzschläge wurde aus dem Rauschen des Windes ein lautes Brausen. Immer größere Fragmente nahm der Wind auf und wirbelte sie umher. Die hölzernen Fensterläden der Kate begannen wild in ihren rostigen Scharnieren hin und her zu flattern. Die buckelige Alte ergriff den Stock, der unweit vom Fenster an einem staubigen Regal lehnte und begann hektisch in den absonderlichen Utensilien zu suchen; das zunehmende Klappern der losen Holzlatten gebot zur Eile. Zwischen eingelegten Spinnenbeinen, getrockneten Eidechsenschwänzen und ähnlich abstrusen Materialien fand sie schließlich, was sie suchte. Sie nahm drei daumenkuppengroße bunte Steine aus dem Regal und hielt diese mit zusammengekniffenem Auge prüfend über die flackernde Kerze, die auf dem Tisch stand. Ein kalter Windstoß pfiff sodann durch die Hütte und löschte die Flamme. "Das sind die richtigen, jaja." sagte die Alte zu sich selbst und blickte sich wie von Sinnen im Raum um. Mit hakeligen Bewegungen griff sie noch den alten Lumpenfetzen vom Stuhl und warf ihn sich über die Schultern, um sich sogleich nach draußen zu begeben. Kaum hatte sie die klapprige Tür der Kate geöffnet, erfasste sie eine Bö, riss den Lumpenfetzen von ihren Schultern und trug ihn außer Sichtweite. Der Sturm hatte schnell an Stärke gewonnen und man konnte in der Ferne sehen, wie die Windhose heranraste und alles zermalmte, was sich ihr in den Weg stellte. Schnell stakste die Alte weiter auf eine gelegentlich genutzte Feuerstelle zu und stieß fahrig die größeren Brocken beiseite, die der Sturm noch nicht fortgerissen hatte. In die Mulde warf sie einen der drei Steine, die sie zuvor aus der Kate mitgebracht hatte und vergrub ihn einige Finger tief im Boden. Anschließend bewegte sie sich auf eine weitere kleine Feuerstelle zu, die schon fast vom nahen Wald überwuchert war. Auch hier vergrub sie einen der übrigen 2 Steine. Ein entwurzelter Dornbusch riss ihr im vorbeifliegen blutige Schrammen in die Haut und warf die Alte zu Boden. Kostbare Sekunden vergingen in denen sie sich mühsam aufrappelte und mit zusammengebissenen Zähnen auf die letzte der drei Feuerstellen konzentrierte. Kurz bevor sie diese erreichte, begann die alte Kate schauerlich zu knarren und die Fensterläden schlugen wild von einer auf die andere Seite. In diesem Moment, brachen die rostigen Scharniere eines Fensterladens und der Wind erfasste das lose Stück sogleich. Die Alte sah das schwere Holzstück heranrasen und konnte gerade noch einen Arm schützend vor das Gesicht heben. Natürlich konnte der ausgemergelte Arm nichts von der ungeheuren Wucht des Aufpralls aufhalten. Nach dem Einschlag stürzte die Alte reglos zu Boden. Aus der halb geöffneten Hand rollte der letzte der drei Steine direkt in die vorgesehene Stelle am Boden.
Geschrieben von Camassea am Dienstag, 31. März 2009 - 01:00:00
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Naxxramas
ach Stunden des Wartens hatten sich die Augen des Hageren an die Dunkelheit gewöhnt. Reglos verharrte er auf dem Totenacker, verborgen hinter einer Trauerweide, deren Blätter der Wind ein wehleidiges Säuseln entlockte. Hier saß er und starrte angestrengt in die Dunkelheit, horchte auf jedes Geräusch, dass die klamme Stille durchbrechen könnte. Der Hagere hatte den Dienst im Tempel des Totengottes vor vielen Jahren angetreten und fühlte sich, so seltsam dies auch klingen mag, geborgen. Er schätze die Stille und die Geborgenheit, die ihm dieses Leben in Einsamkeit bescherte. In den letzten Wochen sorgte allerdings eine Reihe von Grabschändungen für helles Aufsehen. Dies waren ungeheuerliche Freveltaten, die nicht ungesühnt bleiben durften. Da wurden nächtens Gräber aufgewühlt und den darin verwahrten Leichen ganze Gliedmaßen oder auch nur einzelne Stücke des Körpers entnommen. Der ausgezehrt wirkende Totengräber diente alleine dem Tempel. So musste er sich auch alleine auf die Lauer legen, um den Grabschändern das Handwerk zu legen. Vermutlich waren es Leichenfledderer, die die erbeuteten Körperteile an verschrobene Scharlatane verkauften, die abscheuliche Experimente damit anzustellen wussten. Er hockte nun schon einige Nächte hier und es fiel ihm von Mal zu Mal schwerer sich auf die Umgebung zu konzentrieren. Ein brechender Zweig ließ die bleierne Schwere, die sich über seine Gedanken zu legen gedachte, jäh verpuffen. Aufgeschreckt von dem Geräusch, nun hellwach, drehte er seinen Kopf langsam in die Richtung, aus der es erklungen war. Eine Nebelschwade zog dort zwischen den beiden alten Birken hindurch, ließ die Ursache des Lautes jedoch nicht erkennen. Unter lautem Flattern nahm ein kleiner Kauz Reißaus; vor Schreck wagte der Totengräber nicht einmal mehr zu atmen. Nach einigen quälenden Herzschlägen, die sich wie Ewigkeiten erstreckten, schälte sich eine zerlumpte Gestalt aus dem Nebel und hielt schnurstracks auf eines der Gräber zu, dessen aufgeschüttete Erde noch frisch war. Nun war die Zeit gekommen, den Verbrecher zu stellen. Mit einem beherzten Satz sprang der Hagere aus seinem Versteck hervor und lief zu der Gestalt mit der zerfetzten Kutte, die bereits begonnen hatte, in der Erde zu graben. Der Kleidung nach zu urteilen bekam diese einen kargen Lohn für ihre abscheulichen Dienste. Noch hatte sie ihn nicht bemerkt und es gelang ihm, direkt hinter ihr zum Stehen zu kommen. Mit einem Ruck fasste er sie an der Schulter und riss sie herum... Der Anblick ließ ihm das Blut in den Adern gefrieren. Nicht etwa einen Grabschänder hat er hier auf frischer Tat ertappt, sondern nun starrte ihn eine Kreatur aus ihren toten Augen an, deren Existenz er bis zu diesem Moment geleugnet hätte. Eine halb verfaulte Fratze aus der sich unablässig Maden hervorschälten, blickte ihn aus ihren leeren Augenhöhlen an. Kurz konnte er die unstillbare Gier in den ledrigen Zügen des Geschöpfes erkennen, so als ob ihm das Schicksal nun eine noch schmackhaftere Beute als den Kadaver im Grab zugedacht hätte. Starr vor Schreck war der Hagere nicht im Stande mehr zu tun als zuzusehen, wie der Ghul immer wieder mit seinen krallenbewährten Klauen nach ihm schlug, spürte, wie es ihm Muskeln und Sehnen durchtrennte bis die sehnsüchtig erwartete Stille seinen Geist umspülte und endgültig mit sich fort riss.
Geschrieben von Camassea am Montag, 30. März 2009 - 01:00:00
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Das Obsidiansanktum
er letzte Akkord der Hymne hallte noch durch den gigantischen Marmorsaal, als ein tosender Applaus von der Galerie erschallte, dem Spielmann Anerkennung zu zollen. Unter brausendem Jubel verbeugte er sich vor der hoheitlichen Gästeschar, winkte den Applaudierenden in den Rängen und vergaß auch nicht, wie es die Etikette gebührte, die vornehm gekleideten Damen mit einem höflichen Knicks zu bedenken. Dabei ließ er seinen Blick durch den imposanten Raum streifen, beeindruckt, vor solch gewähltem Publikum gespielt haben zu dürfen. Als der Spielmann die Bühne zu verlassen gedachte, hob der König die Hand und innerhalb von wenigen Herzschlägen verstummte der Applaus, wich einer drückenden Stille. "Nun, Spielmann, ein vortreffliches Werk habt ihr da vorgetragen. Sagt an, wie kamet ihr darauf, was war eure Inspiration? Entspricht es wahren Begebenheiten oder entsprang dieser Epos eurer Fantasie?" brach der König die Stille. "Euer Majestät, sowahr ich hier stehe, so hat sich all dies tatsächlich zugetragen." erwiderte der Spielmann nun etwas schüchterner. Seine Werke konnte er mit Inbrunst vortragen, dies war sein Handwerk, doch mit leibhaftigen Königen reden gehörte nicht zu den alltäglichen Geschäften eines Sängers und Lautenspielers. "Nun wollt ihr mir auch berichten, um wen es sich dabei handelt? Diese Recken, an Tapferkeit kaum zu übertreffen, haben mein Interesse geweckt." "Nichts lieber als das, euer Majestät..."
Geschrieben von Camassea am Sonntag, 29. März 2009 - 00:00:00
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Archavons Kammer
rst rezitierte der Gottgeweihte die Zeilen nur leise, die ihm damals der Weise im Tempel beigebracht hatte. Dabei steigerte er sich mit der Zeit in seiner Lautstärke um schlussendlich dem Scheusal mit flammendem Herzen die geheiligte Litanei entgegenzuschreien, die den Unhold vernichten sollte. Ein ohrenbetäubender Lärm erfüllte den Raum, so dass man nur noch die Stimme des Gottgeweihten vernahm. Ringsherum zog Nebel auf, es war als ob die Hölle selbst einen Spalt öffnen wollte, die Anwesenden zu verschlingen. Mit einem lauten Knall zerrissen die astralen Fäden, die das Konstrukt zusammenhielten, so dass es in sich zusammenbrach und sich nie wieder regte.
Geschrieben von Camassea am Samstag, 28. März 2009 - 00:00:00
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Sonnenbrunnenplateau
etallisches Klirren erfüllte die Akazienallee und hallte von den umliegenden Gebäuden wider, als ein Krieger über die gepflasterte Straße schritt. Einzelne Lichtstrahlen des wolkenlosen Sommerhimmels brachen sich an seiner goldenen Brünne und warfen tanzende Lichtflecken auf das Kopfsteinpflaster, während der Breitschultrige gemessenen Schrittes auf den Tempel am Ende der Allee zuhielt. Einige Straßenkinder hielten ehrfurchtsvoll in ihrem Spiel inne, um den mächtigen Krieger zu beobachten, wagten es jedoch nicht, ihn auf seinem Weg aufzuhalten. Nachdem der mächtige Streiter das metallene Eingangstor zum Tempel passierte, fiel sein Blick sogleich auf die riesenhafte Steinstatue, die die Göttin des Zweikampfes symbolisierte. Mit erhobenem Schwert stand sie da und warf den Betenden einen herrischen Blick zu, der kein Verzagen duldete. Eine Windbö zerzauste sein Haar. Niemand außer ihm war hier um zu beten. Ehrfurchtsvoll ließ er sich auf die Knie sinken. Nein, er hatte nicht verzagt. Er war mit all seinen Getreuen ausgezogen und siegreich zurückgekehrt. Die Göttin konnte stolz auf ihn und die Seinen sein. Und sie war es.
Geschrieben von Camassea am Freitag, 27. März 2009 - 00:00:00
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Der Schwarze Tempel
ehet, denn ihr alle seid Sünder!", hallte es über den Marktplatz der Hauptstadt. Die letzten Worte wurden von einem lauten Donnern übertönt. Vor kurzer Zeit noch strahlte die Sonne und erhellte das bunte Treiben. Sogar Ein betagter Gaukler hatte ein paar Holzkisten aufgetürmt und nutzte diese als Bühne für seine Kunststückchen. Doch binnen Minuten war eine nachtschwarze Wolkendecke aufgezogen und ging mit Gewitter und prasselndem Regen einher. In Windeseile hatten die fahrenden Händler ihre Habe zusammengepackt und die festen Händler ihre Läden wetterfest verschlossen. Mitten in diesem Treiben war ein hagerer Mann auf die Kisten des Gauklers gestiegen. Er hatte ein schweres Buch mit dickem Ledereinband dabei, schlug es auf und zitierte einige Zeilen daraus: "Wenn die Schlange Hand in Hand mit dem Raben den Berg hinabsteigen, wenn Eisen krachend aus des Himmels weiten Bäume zerschlägt, wenn eine Feuersbrunst zornig nach Menschenleben lechzt, dann wird der schwarze Henker abermals das Land heimsuchen!" Regen troff in Rinnsalen am Gesicht des Predigers herab. Eine Strähne seiner grauen Haare klebte ihm im Gesicht. Er hob die Hand und zeigte mit ausgestrcktem Finger auf einen der Händler. "Die Götter strafen euch ob eurer Sünden! Euch und Euresgleichen", schrie er zornig in die Menge und liess den ausgestreckten Arm langsam durch die Menge fahren. Auf einer beleibten Müllersfrau liess er seinen Finger erneut ruhen und bedachte diese mit seinem stechenden Blick. "Hört ihr denn nicht das ferne Dröhnen der Hufe? Seht ihr nicht die Vorboten der Apokalypse?" Der Alte warf seine Hände in den Himmel und fiel auf die Knie. Dicke Regentropfen klatschten ihm in sein Gesicht, dass er in den Himmel richtete, so als hadere er mit den Göttern selbst. Sein regennasses Gewand, mehr ein Fetzen als ein Kleidungsstück, klebte ihm an der Haut. "Öffnet eure Augen, ihr verblendetes Gesindel", fuhr er fort und schlug erneut das Buch auf. Bei den letzten Worten setzten sich zwei wachhabende Gardisten in schweren Rüstungen in Bewegung und liefen scheppernd heran. "Heda, Alter Mann! Ihr jagt den Menschen einen Schrecken mit eurem Geschwafel ein!", versuchte einer der Gardisten ihn zur Besinnung zu bringen. Der Alte wand sein Gesicht dem Himmel ab und erneut dem Buch zu. Die beiden Wachhabenden bemerkten, dass die Augen des Alten weiss waren, die Pupillen waren nicht mehr zu erkennen, und schreckten angewiedert zurück. "Ein Sturm wird kommen, jene zu richten deren Tun voll Frevel und Laster war", las er weiter vor. Kurzerhand packten die beiden Schutzmänner den Mann unter den Armen und zerrten ihn fort. Dabei fiel das Buch zu Boden und blieb in einer schlammigen Pfütze liegen. "Sehet, das Ende naht!", waren seine letzten Worte, bevor die Gardisten ihn in die Obhut des nahen Klosters übergaben, in dem sicherlich für sein Seelenheil gesorgt werden würde. Ein scheinbar zufälliger Passant blieb an der Pfütze stehen, beugte sich hinab und hob das Buch vom Boden auf. Als er es in Händen hielt wischte er den Schmutz fahrig mit dem Ärmel ab und verbarg es unter seiner schwarzen wallenden Robe. "Du ahnst ja gar nicht, wie recht du hast, alter Mann", murmelte dieser und verschwand in der Menge.
Geschrieben von Camassea am Donnerstag, 26. März 2009 - 00:00:00
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Hyjalgipfel
erlassen ruhte der spärlich von Bäumen gesäumte Weg in der tief stehenden Abendsonne, der den leichten Hügel herauf zum alten Wirtshaus führte. Darinnen allerdings zeigte sich ein anderes Bild: Ein Reiter des Königshofes brachte jüngst die Kunde, dass der Krieg gegen die Nordvölker endgültig gewonnen sei. Daraufhin strömten die Menschen des kleinen Vorortes wie ein Schwarm gefräßiger Heuschrecken zielgerichtet zur Schänke, um das freudige Ereignis bei zünftigen Bier und Wein angemessen zu würdigen. Für die Familien hieß es doch, dass die vor vielen Monden ausgehobenen Truppen in die Heimat zurückkehren würden, dass Mütter ihre Söhne wieder in Empfang nehmen konnten und Väter die dringend gebrauchte Hilfe auf den Feldern erhalten würden. Alles schien gut. Doch dieser Schein trog. Aus dem Fenster der Taverne blickend, konnten in der nahen Stadt riesige aufsteigende Rauchschwaden ausgemacht werden. Ein entsetzliches Feuer musste dort wüten. Nach und nach drängten sich mehr der zuvor ausgelassen Feiernden um das Fenster. Einige rannten hinaus auf den Vorplatz des Wirtshauses, um das Schauspiel innerhalb der Stadtmauern besser betrachten zu können. In der Ferne konnte man beobachten, wie nach und nach neue Gebäude in Brand gesetzt wurden, doch lag dieser Ausbreitung augenscheinlich keine natürliche Brandursache zu Grunde. Brandstifter waren hier am Werk, daran blieb kein Zweifel. Ratlos blickten sich die Schaulustigen um. Einige Wenige rangen sich sogar dazu durch, den Weg zur Stadt hinüber zu laufen, um dort ihre Hilfe feilzubieten, denn diese schien bitter nötig. Niemand konnte sich erklären, wie es zu einer solchen Katastrophe kommen konnte. Die marodierenden Truppen der nördlichen Stämme waren geschlagen, zumindest waren die Anwesenden zusammengekommen, um eben jenes Ereignis zu feiern. War dies vielleicht nur eine geschickt platzierte Lüge der Obrigkeit? Ein entsetzter Aufschrei der alten Hebamme gellte über den Platz. Diese stand wie festgewurzelt da und zeigte mit vor Schrecken zitternder Hand in Richtung der Burg. Folgte man der so gewiesenen Richtung mit den Augen, erblickte man Horden abscheulicher Kreaturen, die sich aus dem Schatten der Gebäude schälten und den Serpentinenweg empor zur Burg stürmten. Untote! Wandelnde Leichen, Widergänger und Ghule hatten die Stadt überfallen und hinterließen eine Schneise der Verwüstung: Brennende Häuser und gewiss viele Todesopfer. Am Burgtor entbrannte daraufhin eine heftige Schlacht zwischen dem stationierten Garderegiment und den anbrandenden Untoten. Diese schlugen mit ihren bloßen Fäusten, oder dem was davon übrig geblieben war, auf die hölzernen Tore ein und wurden dabei mit brennendem Pech und ungelöschtem Kalk überschüttet, was diese allerdings kaum beeindruckte. Bogen- und Armbrustschützen feuerten von den Zinnen was die Köcher hergaben, doch angesichts der Masse an Gegnern schien der Kampf aussichtslos. Bewacht von drei Gardisten trat ein Mann mit langem weißem Bart, gehüllt in einer weit ausladenden blauen Kutte, auf den Balkon des Bergfrieds. In seiner Hand hielt er einen überformatigen Folianten, den er hastig aufschlug und laut Zeilen daraus intonierte, die sogar noch bis hinüber zum Wirtshaus zu hören waren. Kurz darauf riss dieser die Hand in die Höhe, woraufhin ein Lichtstrahl vom Himmel niederfuhr und in einer gewaltigen, blendenden Explosion allen Zuschauern die Sicht nahm. Blinzelnd schlugen die ersten ihre Augen wieder auf. Der Zauberer wurde als regloser Körper von den Gardisten wieder in das innere des Bergfrieds getragen und ebenso reglos lagen Berge faulender Kadaver auf den Wegen rings um die Burg. Der Hofmagier hatte einen gewaltigen Zauber gewirkt, der die Untoten allesamt vernichtet hatte. Nun war die Zeit, die letzten Feuer zu löschen und die Toten zu beklagen, die dieser plötzliche Hinterhalt gefordert hatte.
Geschrieben von Camassea am Mittwoch, 25. März 2009 - 00:00:00
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Festung der Stürme
pät in der Nacht hatte sie die Herberge am Wegesrand erst erreichen können. Sie war ein junges Mädchen, vielleicht fünfundzwanzig Götterläufe mochte sie alt sein, so genau wusste das niemand. Es war ein gefährliches Unterfangen gewesen, nach Anbruch der Dunkelheit noch allein auf der Straße unterwegs zu sein. Ihr alter Oheim hatte sie immer vor nächtlichen Umtrieben gewarnt und daher hatte sie auf dem letzten Stück den Mantel hochgezogen, um ihre Erscheinung größer wirken zu lassen, so wie die eines kräftigen Mannes. Nun, die Bemühungen scheinen erfolgreich gewesen zu sein. Vor der Herberge angekommen hörte sie schon das Klirren eines Kruges, der wohl just in diesem Moment auf dem Boden zerschellt war. Sie stieß die Tür auf und die Wärme des Schankraumes umfloss sie, woraufhin sie kurz innehielt und innerlich aufatmete. "Komm rein, Kind, und zieh die Türe hinter dir zu. Es wird sonst kalt in der Stube." wurde sie von der Frau des Wirts begrüßt. Sie tat wie ihr geheißen. Der Schankraum war mit rustikalen Möbeln eingerichtet. Einige lange Tische, an denen vielleicht 8 Personen Platz nehmen konnten, waren ohne erkennbares Muster im Raum aufgestellt, beiderseits gesäumt von massiven Holzbänken. Der alte Dielenboden hatte seine besten Jahre längst hinter sich und quietschte bei jedem Schritt, den man darauf tat. Eine Gruppe fahrender Händler hatte sich an einem der Tische niedergelassen und beschäftigte sich mit einem vergnüglichen Würfelspiel, dass ihr allerdings fremd war. Die üppige Wirtin nahm ein paar leere Krüge vom Tisch der Händler und begab sich mit diesen auf einen Durchgang zu, der von einer schweren Wolldecke verhangen war. Als sie den Stoff beiseite schob, konnte man kurz den Wirt in der Küche sehen, der mit einem groben Holzlöffel in einem dampfenden Kupfertopf rührte. Kleine Schweißperlen rannen ihm über Stirn und Wangen und tropften gelegentlich in den Topf hinab. Das Mädchen beschloss geschwind, von diesem Eintopf lieber nicht zu kosten. "Setz dich, mein Kind." sagte die Wirtin, die wieder aus der Küche gekommen war und die junge Frau dabei ertappte, wie sie sich immer noch im Raum umblickte. Erneut tat sie, wie ihr geheißen. "Habt Dank." antwortete Sie höflich. "Was kann ich dir denn gutes tun, Kind? Etwas warmes zum Trinken vielleicht?" fragte die Wirtin mit gutmütiger Miene. "Ja gerne, ich bin schon ganz durchgefroren." entgegnete das Mädchen. "Was treibst du dich auch zu so später Stunde noch herum, sei froh, dass dir nichts passiert ist." gab die Wirtin voll Anteilnahme zu bedenken. So ging es nun einige Zeit weiter, bis die Müdigkeit das junge Mädchen schlussendlich zu übermannen drohte. "Sagt, gute Wirtin, habt ihr noch ein Zimmer für mich?" "Unsere beiden Fremdenzimmer sind leider heute ausgebucht." Die Wirtin nickte den Händlern zwei Tische weiter zu. "Allerdings kann ich dir den kleinen Schlafsaal unterm Dach anbieten. Dort gibt es vier Strohbetten, die heute allesamt leer bleiben. Du hättest den Schlafsaal ganz für dich alleine." "Das Angebot nehme ich dankend an, gute Frau." entgegnete das Mädchen und begann sogleich ihre wenigen Habseligkeiten zusammenzuraffen. "Die Treppe bis ganz nach oben." gab ihr die Wirtin noch mit auf den Weg. Statt eines 'Danke' brachte das Mädchen lediglich ein ausgedehntes Gähnen zustande und schlurfte die Treppen hoch. Ein wenig muffig roch es hier oben, vermutlich vom alten Stroh, welches unter den alten Leinendecken die Bettstatt bildete. Sie wählte das der Treppe gegenüberliegende Bett aus, da dort ein kleines rundes Fenster war, durch das sie nach draußen blicken konnte. Der Wind hatte noch ein wenig zugenommen und rüttelte am Dachgebälk. In die alte Decke gekuschelt, schlief sie jedoch rasch ein. Wenige Stunden später schreckte sie aus dem Schlaf hoch, schweißgebadet, und blickte sich gehetzt im Raum um. Ein Alp musste sie wohl im Traum erschreckt haben. Außer dem Wind, der den Dachbalken nach wie vor schauerliche Töne entlockte, war nichts zu entdecken. Sie hörte noch, wie der Wirt die Türe für die Nacht verschloss und legte sich wieder zurück in ihr Bett. Sie schaute aus dem Fenster in den Himmel, sah dort den Mond und eine handvoll Sterne glitzern, und begann langsam in den Dämmerschlaf hinüber zu gleiten. Ein leises Quietschen ertönte, doch rechnete sie dieses erst dem Dachbalken zu. Es ertönte erneut. Es hörte sich ganz anders an, wie das dunkle und tiefe Quietschen der schweren Dachbalken. Da war es schon wieder. Es hörte sich an, als käme jemand langsam die Treppe des Schlafsaales hoch. Angsterfüllt packte sie mit beiden Händen die Decke und bohrte ihre Finger in den morschen Stoff, so dass einige Fasern hörbar barsten. Sie wagte es nicht, sich umzublicken. Starr vor Angst hörte sie, wie etwas Schweres auf den Boden des Schlafsaales hinter ihr aufsetze. Danach ein Quietschen und ein leises Klirren. Jemand schloss die Falltür zum Dachboden und legte die Kette davor! Panisch bewegte sie die weit aufgerissenen Augen hin und her und suchte nach einem Anhaltspunkt ihres nächtlichen Besuchers, nach einem Schattenwurf an der Wand, doch konnte sie in der Dunkelheit des Raumes nichts ausmachen. Wieder hörte sie in langsamen Abständen, wie einzelne Dielen des Dachbodens unter Druck nachgaben. Nun konnte sie schon das stoßweise Atmen hören, das an das Schnauben eines wilden Tieres erinnerte. Es kam näher. Nun war es direkt über ihr zu vernehmen. Ein Ruck durchfuhr sie, als heißer Atem über ihren Nacken fuhr, doch wagte sie nicht, auch nur einen Laut von sich zu geben. Inständig betete sie zu den Göttern, dass dieser schreckliche Traum aufhören möge. Sie hörte, wie etwas Metallisches aus einem Halfter gezogen wurde. Es klang wie das Geräusch, das ein Dolch verursacht, den man aus seiner Scheide zog...
Geschrieben von Sasunestra am Dienstag, 24. März 2009 - 00:00:00