News: : Der Schwarze Tempel
(Kategorie: Misc)
Eintrag von Camassea
Donnerstag, 26. März 2009 - 00:00:00

ehet, denn ihr alle seid Sünder!", hallte es über den Marktplatz der Hauptstadt. Die letzten Worte wurden von einem lauten Donnern übertönt.
Vor kurzer Zeit noch strahlte die Sonne und erhellte das bunte Treiben. Sogar Ein betagter Gaukler hatte ein paar Holzkisten aufgetürmt und nutzte diese als Bühne für seine Kunststückchen. Doch binnen Minuten war eine nachtschwarze Wolkendecke aufgezogen und ging mit Gewitter und prasselndem Regen einher. In Windeseile hatten die fahrenden Händler ihre Habe zusammengepackt und die festen Händler ihre Läden wetterfest verschlossen. Mitten in diesem Treiben war ein hagerer Mann auf die Kisten des Gauklers gestiegen. Er hatte ein schweres Buch mit dickem Ledereinband dabei, schlug es auf und zitierte einige Zeilen daraus:
"Wenn die Schlange Hand in Hand mit dem Raben den Berg hinabsteigen,
wenn Eisen krachend aus des Himmels weiten Bäume zerschlägt,
wenn eine Feuersbrunst zornig nach Menschenleben lechzt,
dann wird der schwarze Henker abermals das Land heimsuchen!"
Regen troff in Rinnsalen am Gesicht des Predigers herab. Eine Strähne seiner grauen Haare klebte ihm im Gesicht. Er hob die Hand und zeigte mit ausgestrcktem Finger auf einen der Händler.
"Die Götter strafen euch ob eurer Sünden! Euch und Euresgleichen", schrie er zornig in die Menge und liess den ausgestreckten Arm langsam durch die Menge fahren. Auf einer beleibten Müllersfrau liess er seinen Finger erneut ruhen und bedachte diese mit seinem stechenden Blick.
"Hört ihr denn nicht das ferne Dröhnen der Hufe? Seht ihr nicht die Vorboten der Apokalypse?"
Der Alte warf seine Hände in den Himmel und fiel auf die Knie. Dicke Regentropfen klatschten ihm in sein Gesicht, dass er in den Himmel richtete, so als hadere er mit den Göttern selbst. Sein regennasses Gewand, mehr ein Fetzen als ein Kleidungsstück, klebte ihm an der Haut.
"Öffnet eure Augen, ihr verblendetes Gesindel", fuhr er fort und schlug erneut das Buch auf. Bei den letzten Worten setzten sich zwei wachhabende Gardisten in schweren Rüstungen in Bewegung und liefen scheppernd heran.
"Heda, Alter Mann! Ihr jagt den Menschen einen Schrecken mit eurem Geschwafel ein!", versuchte einer der Gardisten ihn zur Besinnung zu bringen. Der Alte wand sein Gesicht dem Himmel ab und erneut dem Buch zu. Die beiden Wachhabenden bemerkten, dass die Augen des Alten weiss waren, die Pupillen waren nicht mehr zu erkennen, und schreckten angewiedert zurück.
"Ein Sturm wird kommen, jene zu richten deren Tun voll Frevel und Laster war", las er weiter vor.
Kurzerhand packten die beiden Schutzmänner den Mann unter den Armen und zerrten ihn fort. Dabei fiel das Buch zu Boden und blieb in einer schlammigen Pfütze liegen.
"Sehet, das Ende naht!", waren seine letzten Worte, bevor die Gardisten ihn in die Obhut des nahen Klosters übergaben, in dem sicherlich für sein Seelenheil gesorgt werden würde.
Ein scheinbar zufälliger Passant blieb an der Pfütze stehen, beugte sich hinab und hob das Buch vom Boden auf. Als er es in Händen hielt wischte er den Schmutz fahrig mit dem Ärmel ab und verbarg es unter seiner schwarzen wallenden Robe. "Du ahnst ja gar nicht, wie recht du hast, alter Mann", murmelte dieser und verschwand in der Menge.




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