News: : Naxxramas
(Kategorie: Misc)
Eintrag von Camassea
Montag, 30. März 2009 - 01:00:00

ach Stunden des Wartens hatten sich die Augen des Hageren an die Dunkelheit gewöhnt. Reglos verharrte er auf dem Totenacker, verborgen hinter einer Trauerweide, deren Blätter der Wind ein wehleidiges Säuseln entlockte. Hier saß er und starrte angestrengt in die Dunkelheit, horchte auf jedes Geräusch, dass die klamme Stille durchbrechen könnte.
Der Hagere hatte den Dienst im Tempel des Totengottes vor vielen Jahren angetreten und fühlte sich, so seltsam dies auch klingen mag, geborgen. Er schätze die Stille und die Geborgenheit, die ihm dieses Leben in Einsamkeit bescherte.
In den letzten Wochen sorgte allerdings eine Reihe von Grabschändungen für helles Aufsehen. Dies waren ungeheuerliche Freveltaten, die nicht ungesühnt bleiben durften. Da wurden nächtens Gräber aufgewühlt und den darin verwahrten Leichen ganze Gliedmaßen oder auch nur einzelne Stücke des Körpers entnommen.
Der ausgezehrt wirkende Totengräber diente alleine dem Tempel. So musste er sich auch alleine auf die Lauer legen, um den Grabschändern das Handwerk zu legen. Vermutlich waren es Leichenfledderer, die die erbeuteten Körperteile an verschrobene Scharlatane verkauften, die abscheuliche Experimente damit anzustellen wussten.
Er hockte nun schon einige Nächte hier und es fiel ihm von Mal zu Mal schwerer sich auf die Umgebung zu konzentrieren. Ein brechender Zweig ließ die bleierne Schwere, die sich über seine Gedanken zu legen gedachte, jäh verpuffen. Aufgeschreckt von dem Geräusch, nun hellwach, drehte er seinen Kopf langsam in die Richtung, aus der es erklungen war. Eine Nebelschwade zog dort zwischen den beiden alten Birken hindurch, ließ die Ursache des Lautes jedoch nicht erkennen. Unter lautem Flattern nahm ein kleiner Kauz Reißaus; vor Schreck wagte der Totengräber nicht einmal mehr zu atmen.
Nach einigen quälenden Herzschlägen, die sich wie Ewigkeiten erstreckten, schälte sich eine zerlumpte Gestalt aus dem Nebel und hielt schnurstracks auf eines der Gräber zu, dessen aufgeschüttete Erde noch frisch war.
Nun war die Zeit gekommen, den Verbrecher zu stellen. Mit einem beherzten Satz sprang der Hagere aus seinem Versteck hervor und lief zu der Gestalt mit der zerfetzten Kutte, die bereits begonnen hatte, in der Erde zu graben. Der Kleidung nach zu urteilen bekam diese einen kargen Lohn für ihre abscheulichen Dienste. Noch hatte sie ihn nicht bemerkt und es gelang ihm, direkt hinter ihr zum Stehen zu kommen. Mit einem Ruck fasste er sie an der Schulter und riss sie herum...
Der Anblick ließ ihm das Blut in den Adern gefrieren. Nicht etwa einen Grabschänder hat er hier auf frischer Tat ertappt, sondern nun starrte ihn eine Kreatur aus ihren toten Augen an, deren Existenz er bis zu diesem Moment geleugnet hätte. Eine halb verfaulte Fratze aus der sich unablässig Maden hervorschälten, blickte ihn aus ihren leeren Augenhöhlen an. Kurz konnte er die unstillbare Gier in den ledrigen Zügen des Geschöpfes erkennen, so als ob ihm das Schicksal nun eine noch schmackhaftere Beute als den Kadaver im Grab zugedacht hätte.
Starr vor Schreck war der Hagere nicht im Stande mehr zu tun als zuzusehen, wie der Ghul immer wieder mit seinen krallenbewährten Klauen nach ihm schlug, spürte, wie es ihm Muskeln und Sehnen durchtrennte bis die sehnsüchtig erwartete Stille seinen Geist umspülte und endgültig mit sich fort riss.




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