News: : Das Auge der Ewigkeit
(Kategorie: Misc)
Eintrag von Camassea
Dienstag, 31. März 2009 - 01:00:00
ie Alte wachte aus ihrem Dämmerschlaf auf, als es plötzlich dunkel in der kleinen knarrenden Kate wurde, obwohl es lichter Tag sein müsste. Die Knochen hatten ihr bereits verraten, dass etwas Einschneidendes auf die Küstenregion der südlichen Halbinsel zukommen wird. Aber leider nicht, was es sein wird. Nun, die Alte war gewarnt. Zwecklos wäre es gewesen, die unheilvolle Kunde im Dorf zu verbreiten. Als arme Irre hätte man sie beschimpft oder vielleicht gleich auf den Scheiterhaufen werfen lassen. "Soll das ungläubige Pack nur sehen was es davon hat." dachte sie sich.
Ächzend erhob sie sich und schlurfte zur Fensterluke herüber, bemüht, die letzten Überreste der Müdigkeit abzuschütteln. Ein muffiger alter Stofffetzen sollte die Kälte draußen halten; Geld für eine Fensterscheibe aus kostbarem Glas hatte sie selbstverständlich nicht.
Als sie an das Fenster herantrat und nach oben blickte, zuckten Blitze über den rabenschwarzen Himmel und ließen ahnen, was die Knochen ihr mitteilen wollten.
Just in diesem Augenblick konnte die Alte sehen, wie sich ein Loch in den Wolken auftat und begann einem knorrigen Auswuchs zum Erdboden auszustrecken. Der Wind nahm merklich zu und wirbelte Laub und kleineren Unrat umher. Innerhalb weniger Herzschläge wurde aus dem Rauschen des Windes ein lautes Brausen. Immer größere Fragmente nahm der Wind auf und wirbelte sie umher. Die hölzernen Fensterläden der Kate begannen wild in ihren rostigen Scharnieren hin und her zu flattern.
Die buckelige Alte ergriff den Stock, der unweit vom Fenster an einem staubigen Regal lehnte und begann hektisch in den absonderlichen Utensilien zu suchen; das zunehmende Klappern der losen Holzlatten gebot zur Eile. Zwischen eingelegten Spinnenbeinen, getrockneten Eidechsenschwänzen und ähnlich abstrusen Materialien fand sie schließlich, was sie suchte. Sie nahm drei daumenkuppengroße bunte Steine aus dem Regal und hielt diese mit zusammengekniffenem Auge prüfend über die flackernde Kerze, die auf dem Tisch stand. Ein kalter Windstoß pfiff sodann durch die Hütte und löschte die Flamme.
"Das sind die richtigen, jaja." sagte die Alte zu sich selbst und blickte sich wie von Sinnen im Raum um. Mit hakeligen Bewegungen griff sie noch den alten Lumpenfetzen vom Stuhl und warf ihn sich über die Schultern, um sich sogleich nach draußen zu begeben.
Kaum hatte sie die klapprige Tür der Kate geöffnet, erfasste sie eine Bö, riss den Lumpenfetzen von ihren Schultern und trug ihn außer Sichtweite.
Der Sturm hatte schnell an Stärke gewonnen und man konnte in der Ferne sehen, wie die Windhose heranraste und alles zermalmte, was sich ihr in den Weg stellte. Schnell stakste die Alte weiter auf eine gelegentlich genutzte Feuerstelle zu und stieß fahrig die größeren Brocken beiseite, die der Sturm noch nicht fortgerissen hatte. In die Mulde warf sie einen der drei Steine, die sie zuvor aus der Kate mitgebracht hatte und vergrub ihn einige Finger tief im Boden. Anschließend bewegte sie sich auf eine weitere kleine Feuerstelle zu, die schon fast vom nahen Wald überwuchert war. Auch hier vergrub sie einen der übrigen 2 Steine. Ein entwurzelter Dornbusch riss ihr im vorbeifliegen blutige Schrammen in die Haut und warf die Alte zu Boden. Kostbare Sekunden vergingen in denen sie sich mühsam aufrappelte und mit zusammengebissenen Zähnen auf die letzte der drei Feuerstellen konzentrierte. Kurz bevor sie diese erreichte, begann die alte Kate schauerlich zu knarren und die Fensterläden schlugen wild von einer auf die andere Seite. In diesem Moment, brachen die rostigen Scharniere eines Fensterladens und der Wind erfasste das lose Stück sogleich. Die Alte sah das schwere Holzstück heranrasen und konnte gerade noch einen Arm schützend vor das Gesicht heben. Natürlich konnte der ausgemergelte Arm nichts von der ungeheuren Wucht des Aufpralls aufhalten. Nach dem Einschlag stürzte die Alte reglos zu Boden. Aus der halb geöffneten Hand rollte der letzte der drei Steine direkt in die vorgesehene Stelle am Boden.
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