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(Kategorie: Misc)
Eintrag von Camassea
Mittwoch, 01. April 2009 - 01:00:00
umpf dröhnten Schläge emsiger Spitzhacken durch das weitverzweigte Stollensystem der Zwergenbinge, das einen Ortsunkundigen gewiss zum Verhängnis werden würde. Doch sicherlich nicht dem kleinen Trupp Zwerge, der hier sein Tagwerk vollbrachte. Erst kürzlich wurde eine besonders vielversprechende Erzader entdeckt, die nun in drei Schichten kontinuierlich abgebaut wurde. In dem engen Stollen standen drei kräftige Zwerge direkt an der Felswand und trieben diesen mit mächtigen Schlägen Stück um Stück weiter in den harten Felsen. Zwei Ölfunzeln erhellten dabei die Szenerie und warfen flackernde Schemen an die umliegenden Wände. Dahinter sammelten fleißige Hände immer wieder die Brocken zusammen und luden diese auf kleine Karren auf, die wiederum von anderen Zwergen zur großen Esse in der Mitte der unterirdischen Zwergenstadt gekarrt wurden.
Kurz vor Schichtwechsel bemerkte der mittlere der drei Zwerge, wie sich der Klang der Spitzhacke leicht änderte. Der Klang wurde tiefer und verriet, dass der Stollen bald in einen Hohlraum enden würde. Einer der hinteren Zwerge, der aufmerksam gelauscht hatte, griff sofort zu einem Tuch auf einem Gebilde, und entfernte es. Darunter war ein Vogelkäfig, dessen kleiner gelber Bewohner durch die plötzlich wechselnden Lichtverhältnisse zu einem Zwitscherkonzert animiert wurde. Der Zwerg hob den Käfig an und hielt ihn bereit, dass er diesen an den Vordermann übergeben könnte, sobald der Hohlraum angeschlagen wurde. Plötzlich hob der Vorderste Zwerg eine Augenbraue und hielt in der Bewegung inne. Das letzte Stück Fels, das er aus dem Berg geschlagen hatte, offenbarte eine dahinterliegende geziegelte Mauer. Er wusste genau, dass es hier keine verzeichneten Räume geben konnte, seine Vorfahren und deren Vorfahren hätten dies gewusst und verzeichnet. In gleichem Maße der Verwunderung über die jüngste Entdeckung wuchs allerdings auch die Neugier, welch geheimnisvolle Kammern hier nun auf den Entdecker warten würden.
Mit unverhohlener Begeisterung umfasste er den Griff seiner Hacke fester und trieb die Hacke noch härter und schneller in das Gestein als zuvor, um den geheimnisvollen Raum möglichst schnell erkunden zu dürfen. So angepeitscht dauerte es nicht mehr allzu lange, bis ein faustgroßes Loch in die Ziegelwand geschlagen war. Von hinten wurde der Vogel in seinem Käfig angereicht und sogleich an den neu entstandenen Durchlass gehalten. Kurz hielten die Anwesenden den Atem inne, bis der Vogel auch nach einiger Zeit sein fröhliches Gezwitscher nicht einstellte und den Anwesenden so mitteilte, dass auch in dem Hohlraum genügend Luft zum Atmen vorhanden war. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis der Durchgang groß genug war, dass ein Zwerg hindurchschlüpfen konnte.
Die Ehre, den Hohlraum als Erster in Augenschein nehmen zu dürfen, gebührte freilich dem Ältesten der Anwesenden. Dieser wiederum wies den Jüngsten unter ihnen an, in der Stadt von der Entdeckung zu erzählen und scheuchte ihn sogleich los, damit er nicht noch mehr Zeit mit offen stehendem Mund vertrödelte. Der Betagte nahm sich eine der Öllampen und trat in das Dunkel der Kammer. Es war bemerkenswert kalt in der Höhle und ein modriger Geruch wie von Schimmel stieg in seine Nase. Er stellte fest, dass er mit dem Licht der Laterne nicht die Decke der Kaverne erhellen konnte. Auch in die Tiefe konnte er keine abschließenden Wände ausmachen. Wie konnte ein Raum dieser Größe den weisen Vorvätern nur unbekannt geblieben sein, zumal ein Großteil der Wände mit Ziegeln ausgekleidet war? Demnach handelte es sich nicht um eine natürliche, sondern um eine behauene Höhle. Nun galt es diese zu erkunden. Nach und nach traten die anderen Zwerge auch herein und musterten die bearbeiteten Wände, um Mutmaßungen über deren Entstehung zu äußern.
Einer der Zwerge hatte eine Blendlaterne entzündet, mit der ein gerichteter Lichtstrahl deutlich tieferen Einblick in das Dunkel versprach. Doch auch diese konnte weder Decke noch gegenüberliegende Wände erleuchten. Stattdessen reflektierten einige unbekannte Objekte in der Ferne ein paar der Lichtstrahlen. Neugierig traten die Zwerge näher darauf zu und konnten schließlich eine Statue immenser Größe ausmachen, die frei in der Kaverne stand und eine verzerrte humanoide Gestalt darstellte, die eine schmerzerfüllte Fratze aufwies und schützend die Arme vor sich verschränkt hielt. Umgeben war diese zum Entsetzen der Anwesenden von verfallenen Leichen längst vergangener Zeiten, von denen nur noch die Knochen und schmiedeeiserne Rüstungsteile die Jahre überdauert hatten. Bei näherer Betrachtung stellte man fest, dass die Toten in voller Rüstung und Bewaffnung gestorben waren, und dass es sich zweifelsohne um Zwerge handeln musste. Einer der Umstehenden begutachtete eine Axt, die er vom Boden aufgehoben hatte und wog diese prüfend in der Hand. Er nickte anerkennend über diese ehemals wirkungsvolle Waffe. Nun konnte man diese nicht mehr benutzen, der hölzerne Stiel würde den ersten Schlag nicht mehr überstehen. Einer der Anwesenden begann, die groteske Statue in Augenschein zu nehmen. Das verwendete Material konnte er trotz profunder Kenntnisse in allen hiesigen Gesteinsarten nicht einordnen. Ein kleiner Brocken Fels polterte in diesem Moment auf den Helm eines Toten am Boden, um von dort aus scheppernd über weitere Rüstungsteile zu poltern. Angstvoll blickten einige nach oben, ob die Kaverne im Begriff war einzustürzen und die Entdeckung wieder unter sich begraben würde. Das vermeintliche Bruchstück der Höhlendecke blieb vor dem Fuß des Ältesten liegen. Dieser bemerkte, dass es sich um ein Stück des dämonischen Bildnisses handelt. Er blickte nach oben um den Ursprung auszumachen und stellte mit Schrecken fest, dass an der Stelle des Bruchstückes eine Schwade schwarzen Rauches aus der Skulptur trat. In sekundenschnelle breitete sich der Riss weiter über die Statue aus und sprengte weitere Bruchstücke des seltsamen Gesteins ab, an deren Stelle sich ähnliche Rauchfahnen bildeten. Vor Schreck ließ einer der jüngeren seine Laterne fallen, die auf dem Boden zerbarst und eine Pfütze brennenden Öles hinterließ. Kurz darauf brachen weitere große Stücke aus der Skulptur und gaben eine lebendige Masse aus Rauch frei, die nach den Anwesenden zu greifen versuchte, jedoch noch in den letzten Resten der Statue festgehalten wurde. So laut er konnte, schrie der Älteste, dass alle nun ihr Heil in der Flucht suchen müssen. Als die ersten losrannten, bemerkte der Älteste, dass sich einer nicht von dem entsetzlichen Anblick lösen konnte und griff beherzt zu seiner Spitzhacke, um den umherpeitschenden Tentakeln aus Rauch entgegenzutreten. Er lief herüber und schlug wie wild um sich, erreichte den immer noch starren Zwerg und schlug ihm mit dem Handrücken ins Gesicht, um ihn wieder zur Besinnung zu bringen. Dieser rappelte sich auf, verdutzt, als wüsste er nicht wo er war und sah zu, wie der Oberkörper seines Mentors nach vorne überfiel, während sein Unterleib kurz stehen blieb und dann in sich zusammenfiel. Eine der Rauchtentakel hatte den Körper mühelos in der Mitte durchtrennt. Tränen schossen ihm in die Augen, doch wusste er, dass er nun nichts mehr für seinen Lehrmeister tun konnte und rannte los.
Geistesgegenwärtig begannen die ersten Zwerge, die durch den Durchgang in den über die letzten Tage und Wochen erst getriebenen Stollen gelangten, die hölzernen Stützbalken mit den Spitzhacken zu durchschlagen. Weitere Zwerge, die den Stollen erreichten, begriffen, dass in diesem Unterfangen die einzige Hoffnung auf das Überleben der Sippe lag. Sie konnten beobachten, wie ihr alter Lehrherr im Schein der brennenden Pfütze leblos zusammensackte, und wie einer der jüngeren daraufhin panisch in ihre Richtung losrannte. Hinter ihm brach die Statue nun vollends auseinander und gab eine Kreatur frei, die keine Form zu besitzen schien: Wie lebendiger Rauch mutete das Wesen an, das nun einzelne Tentakel bildete und dem Flüchtenden hinterher warf. Einige verfehlten ihr Ziel und verpufften in dem Moment, in dem sie auf den steinernen Boden trafen. Doch einer der Fäden durchdrang den linken Oberschenkel des Zwerges und durchtrennte diesen. Unter grauenerregendem Geschrei stürzte der Getroffene zu Boden und zog sich verzweifelt mit den Armen weiter in Richtung des Durchschlupfes. Wie von Sinnen versuchter er Halt zu finden, merkte nicht einmal mehr, wie sich einer seiner Fingernägel in einer Fuge im Boden verkantete und abriss. Hinter ihm bäumte sich die Gestalt über dem Feuer auf und ließ sich darauf fallen, woraufhin die Flammen augenblicklich erstarben. Nachdem das Wesen die Flammen geschluckt hatte, erkannte man zwei glühende Punkte, wie von Feuer, die wie dämonische Augen anmuteten. Damit blickte es nun auf die Zwerge, die versuchten, die Stützbalken zum Einsturz zu bringen. Wie rasend schlugen diese auf das massive Holz ein. Das Wesen indes machte sich über den Körper des Ältesten her, löste das Fleisch von den Knochen und labte sich an dem Grauen der Umstehenden. Wenige Augenblicke später waren nur noch die Knochen im schummerigen Licht der brennenden Dämonenaugen zu erkennen. Währenddessen hatte der erste der Zwerge einen Stützbalken durchschlagen und gebot seinen Mitstreitern zur Eile. Das Wesen hatte indes den schwer Verwundeten erreicht und begann ihm bei lebendigem Leibe ebenfalls das Fleisch von den Knochen zu schälen. Von dem grässlichen Geschrei des Sippenmitgliedes beflügelt, durchschlug der letzte der Zwerge den Stützbalken. Als nun alle Anwesenden auf die umliegenden Stollenwände einschlugen, zollte das Rumoren des Gesteins davon, dass dieser Stollen nicht mehr lange Stand halten würde. Der Älteste der verbleibenden Zwerge befahl dem Jüngsten nun, in der Stadt von den Geschehnissen zu berichten. Dieser wusste, dass er seine Freunde zum letzten Male sah und nickte anerkennend in die Runde, drehte sich um und lief so schnell er konnte. Hinter sich hörte er kurze Zeit darauf, wie ein mächtiger Einsturz den gesamten Berg erschütterte und seine Freunde unter sich begrub. Sie hatten ihr Leben für die Sippe geopfert.
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