News: : Kolosseum der Kreuzfahrer
(Kategorie: Misc)
Eintrag von Camassea
Donnerstag, 02. April 2009 - 01:00:00
it bebender Brust, nur noch stoßweise atmend, stand der Hünenhafte leicht gebeugt über seinem Widersacher. Dieser lag niedergestreckt im Sand der Arena, eine breite, klaffende Wunde zog sich vom Schulterblatt bis zur Brust, tief eingeschnitten ins Fleisch. In regelmäßigen Abständen quoll ein Schwall Blut hervor, ein Schwall, der von mal zu mal ein wenig kleiner wurde. Der Hünenhafte blickte seinem Kontrahenten noch ein letztes Mal in die Augen. Nicht Trotz, nicht Hass, nicht Wut, er las etwas anderes darin. Etwas Unbeschreibliches lag in dem Blick, den der Sterbende erwiderte. Spät erst erkannte der Hünenhafte was es war: Furcht. Die Angst vor dem nahenden Tod. Ob er in diesem Moment die Schwingen des Totenvogels hören konnte, der ihn über das Nirgendmeer brächte?
Aber er musste sich nicht mehr lange fürchten, der Herzschlag, der das Blut stoßweise aus der Wunde presste, kam mehr und mehr zum Erliegen. Die Augen des einst so erbitterten Kontrahenten würden sich schließen, so oder so, egal wie das Urteil der Granden ausfallen würde, diesmal jedoch für immer. Diese Verletzung war nicht zu heilen, nicht einmal von den fähigsten Medici, die das Land hervorgebracht hatte. Nach allem was er dem Hünenhaften angetan hatte, hätte er sich eigentlich darüber freuen sollen. Doch kein solches Gefühl, nichts dergleichen wollte sich einstellen. Vielmehr war es Mitleid, vielleicht sogar Reue.
Doch es blieb wenig Zeit darüber nachzudenken, galt es doch, nun an das eigene Leben zu denken. Der Gegner lag zwar überwunden im Staub zu seinen Füßen, aber die wahrhaft Mächtigen saßen in den Rängen und Logen der Arena. Einer der Granden, derjenige, der die heutigen Spiele hatte ausrichten lassen, erhob sich gemächlich von seinem Diwan, trat an die Balustrade heran und genoss das Tosen der Menge. Der Jubel galt ihm, dem Fettwanst, wie er sich in seiner Dekadenz rekelte, den Jubel auszukosten. Doch was hatte er schon getan? Hatte er sein Leben im blutigen Sand der Arena aufs Spiel setzen müssen? Nein! Er hatte lediglich die Dublonen für die Menschen gezahlt, die heute seiner Belustigung dienten. Ein Sklavenleben war nicht viel wert, das eines Gladiators niederen Ranges kaum mehr. Die wahren Helden der Arena, die Gladiatoren, hatten meist wenig Gewinn in dem Spiel, in dem das eigene Leben der Einsatz war.
Der Hünenhafte durfte sich die aufwallende Wut nicht anmerken lassen. Verstohlen senkte er den Blick, so dass der feiste Kerl an der Balustrade es ihm als Demut auslegen würde.
Der Grande ließ sich Zeit, das Urteil zu fällen. Der gierige Mob dürstete nach Blut, es wurden Rufe laut, den Besiegten zu richten. Jetzt und auf der Stelle. Es hatte nichts Heldenhaftes mehr, dem Gegner den letzten Stoß zu versetzen. Es war die Sensationslust, die den Pöbel dazu anstachelte, das Ende des Überwundenen zu fordern.
Langsam, unendlich langsam streckte der Grande seinen rechten Arm aus und richtete den fleischigen Daumen seiner rechten Hand horizontal nach links. Er wartete noch ein wenig, bis das Tosen der Zuschauer einen Pegel erreichte, der in den Ohren schmerzte. Erst dann drehte er ruckartig das Handgelenk und ließ den Daumen zu Boden zeigen. Das Urteil war gefällt, ein Zögern würde den eigenen Tod bedeuten.
Der Hünenhafte setzte sein Schwert an, holte aus und ließ die Klinge niedersausen. Er schloss seine Augen, um nicht dem Blick des Gerichteten begegnen zu müssen und spürte, wie seine Waffe auf Widerstand stieß, den diese jedoch mühelos überwand.
Das Tosen des Publikums nahm er nur noch am Rande wahr, es klang leise, schal und dumpf in seinem Kopf wieder.
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