News: : Eiskronenzitadelle
(Kategorie: Misc)
Eintrag von Camassea
Freitag, 03. April 2009 - 01:00:00

chnellen Schrittes ging der Prinz vor dem Audienzzimmer des Vaters auf und ab, zum untätigen Warten verurteilt. Dabei war ihm das Anliegen so dringend und duldete für ihn keinen Aufschub. Geld hatte er sich leihen müssen! Er, der Sohn des Fürsten! Das geziemt sich nicht für einen Prinzen. Der eigene Vater hielt ihn zu sehr an der Kandarre. "Wie soll ich mich entfalten und meine Persönlichkeit festigen, wenn ich kaum mehr Gold in den Taschen habe als ein Gemeiner? Es wird nicht leicht sein, den Vorschlag bei dem Alten durchzubekommen. Er sitzt auf dem Staatssäckel als würde morgen der Krieg über das Land ziehen", die Worte schossen ihm Peitschenhieben gleich durch den Kopf. "Wenn er mir nicht gleich Eintritt gewährt, vergesse ich die Etikette und verschaffe mir Eintritt!". Entschlossen hielt er in seiner Bewegung inne. Er biss die Zähne auf die Unterlippe, streckte in einer angespannten Geste die Hand zur Türklinke und wollte zugreifen. In dem Moment wurde die Tür geöffnet. Die Hand des Prinzen zuckte unweigerlich zurück. Der Hofdiener war es, der den Prinzen nun den Weg in den Audienzsalon des Vaters bedeutete. "Der Fürst ist nun bereit, Euch zu empfangen." Seine Hand wies auf die zweite Tür zum Arbeitszimmer des Vaters.
Ohne weitere Notiz vom Diener im Livree zu nehmen schritt er in das Zimmer des Vaters. Dieser saß vor einem Stapel fein säuberlich aufgetürmter Papiere. Eines davon hielt er in der Hand und untersuchte es akribisch mit einem Monokel. Der Prinz nahm missmutig zur Kenntnis, dass sein Vater die Akten nicht zur Seite legte, um seinen eigenen Sohn zu empfangen, so als sei ihm das Anliegen nicht wichtig.
"Nun, mein Sohn, was ist euer Begehr?", brummte die sonore Stimme des Fürsten ohne von den Papieren aufzublicken. Der Prinz schluckte den Ärger darüber hinunter und gab sich Mühe, seiner Stimme keinen unwirschen Ton zu verleihen.
"Vater, eure Majestät, ich will ohne Umschweife zur Sache kommen: Die mir zur Verfügung gestellten Geldmittel sind leider nicht ausreichend. Meine Ausgaben übersteigen den zur Verfügung gestellten Etat beträchtlich! Ich bin hier, euch um eine Erhöhung zu bitten. Es wäre eine Schande, wenn sich der Prinz Geld von Wucherern leihen müsste, Vater!". Die letzten Worte presste der Prinz mit Mühe heraus.
"Nun, ihr erhaltet ein angebrachten Budget, will ich meinen. Wie kommt ihr zu der Annahme, die zur Verfügung gestellten Geldmittel seien nicht ausreichend?"
Ohne eine Antwort abzuwarten fuhr der Fürst weiter fort.
"Mich dünkt viel mehr, dass ihr über eure Verhältnisse lebt, Sohn." das letzte Wort hallte in mit einen spöttischen Unterton in den Ohren des jungen Prinzen wieder.
"Aber Vater..."
"Schweig", donnerte die Stimme des Vaters. "Ihr sollt euren Vater nicht unterbrechen. Ihr bekommt mehr Geld, als es für einen Mann in eurer Position nötig wäre und doch steht ihr nun hier und verlangt dreist nach mehr. Ihr verprasst eure Mittel mit Albernheiten, sage ich euch! War die zweite Sänfte nötig, die ihr euch kürzlich aus den feinsten Edelhölzern habt anfertigen lassen? Müssen eure 'Freunde' bei Hofe tatsächlich beständig mit Luxusgütern gewogen gehalten werden?" Das Wort 'Freunde' zog der Vater bewusst in die Länge und erinnerte den Prinzen daran, was er von seinem jovialen Umgang bei Hofe hielt. Nichtsnutze hatte er sie in früheren Gesprächen genannt. Sein Vater hielt wenig von Etikette und politischem Geplänkel, dass liess er seinen Sohn, der dies aus anderen Augen sah, nur allzu deutlich und bei jeder Gelegenheit spüren.
"Behängt ihr nicht auch eure Angebete mit mehr Schmuck, als es sich ziemt? Und ich sage euch: zügelt euch! Haltet Maß! Übt euch in Bescheidenheit. Eure erste Pflicht gilt dem Land, nicht dem eigenen Vergnügen!"
Kurze Zeit herrschte angestrengtes Schweigen.
"Wenn das alles war...".
Fassungslos musste der Prinz miterleben, wie ihn sein Vater behandelte wie ein unmündiges Kind. In der Tasche ballte er die Hand wütend zur Faust. Er setzte zu einer Antwort an, sog aber dann doch nur scharf die Luft ein. Er wusste, dass er verloren hatte. Der Vater war nicht umzustimmen, das war ihm nur zu klar geworden. Er machte auf dem Absatz kehrt und stürmte wutentbrannt aus dem Zimmer.
Draußen stand der Diener im Livree und öffnete die Tür um den Prinzen herauszuführen.
Der Diener wandte sich an den Prinzen: "Nun, wollte der Alte eurem Anliegen nicht stattgeben?"
Verdutzt von der Dreistigkeit des niederen Personals blieb der Prinz stehen. Normalerweise würde eine so schändliche Rede nach einer Züchtigung förmlich schreien, doch der Prinz tat nichts dergleichen. Er wandte nur den Kopf zu dem Bediensteten hin. Dieser starrte ihm unverhohlen direkt in die Augen. Da war etwas Seltsames, etwas Unwirkliches in den Augen des Dieners. Wie ein glosender Mahlstrom sich windender Schwärze hielten ihn die Augen des Gegenübers gefangen.
"Ist es nicht an der Zeit, dass jemand mit mehr Verständnis vom Leben und der Politik den Staatshaushalt führt", führte der Diener seine Frage fast wie beiläufig weiter aus. Der Prinz zögerte, wollte antworten, doch seine Zunge lag ihm trocken im Mund, unfähig sich zu regen oder gar zu widersprechen.
"Das ganze Land leidet unter der Knauserigkeit eures alten Herren. Wem nutzt das Gold in den Schatzkammern, wenn es dort nutzlos herumliegt? Geld wurde gemacht um es auszugeben, meinst du nicht auch, Freund?" Das letzte Wort klang seltsam vertraut. "Ja", kam die zögerliche Antwort des Prinzen.
"Aber, aber, junger Prinz. Antwortet der zuküftige Regent des Landes zögerlich auf Fragen?"
"Nein", kam die Antwort schon selbstbewusster.
"Na also. Wollt ihr dem Land nicht einen Dienst erweisen? Einen Dienst im Sinne aller?", fragte der Diener mit einem Anflug eines Lächelns auf den Lippen.
"Natürlich!", antwortete der Prinz nun voll Selbstvertrauen. "Selbstverständlich will ich meinem Land dienen!"
"Nun, dann wisst ihr, was zu tun ist." Der Diener griff in seinen Ärmel und zog eine lange gerade Klinge daraus hervor und fuhr mit dieser anerkennend durch die Luft. Er kniete sich vor dem jungen Prinzen hin und hielt ihm in ehrfürchtiger Geste die Waffe der Meuchler hin.
"Ihr habt jetzt nur noch einen Herren, und dieser schickt euch diese Waffe. Ihr wisst, was zu tun ist. Jetzt oder nie." Ein kalter Hauch zog durch den Flur und liess die Öllampen aufflackern, begleitet von einem Geruch nach Schwefel und man meinte, in der Ferne Wimmern und Wehklagen vernehmen zu können. Ein aufmerksamer Beobachter hätte festgestellt, dass der Diener nicht einmal einen Schatten warf.
Das alles nahm der Prinz jedoch nicht wahr. Wie in Trance ergriff er das Heft des Dolches, machte kehrt und ging auf die Tür des Audienzzimmers zu.
Der Diener indes richtete sich wieder auf, lächelte dem Prinzen hinterher, begann zu lachen, steigerte sich in ein irres Kichern und löste sich langsam in Rauch auf, der sich in den Ritzen und Ecken des Schlosses verflüchtigte.




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